Vortrag beim AGI-Symposium in Rom
Projektpräsentation
Projektteam: Peter Eigner, Michael Hödl, Clemens Jobst
Laufzeit: 1. Juli 2024 - 30. Juni 2028
Lesen Sie mehr zum Fördergeber: Österreichische Beteiligungs Aktiengesellschaft (ÖBAG)
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Verstaatlichung von Industrieunternehmen in weiten Teilen Europas einen regelrechten Boom und wurde zu einer zentralen Strategie des Wiederaufbaus und der (Re-)Konstruktion einer nationalen Identität. Im Sommer 1946 beschloss die neu gewählte ÖVP-SPÖ-Regierung die Verstaatlichung von mehr als einem Fünftel der heimischen Industrie Österreichs. Bis zu den Privatisierungen in den 1990er Jahren prägten die Staatsbetriebe die politische und wirtschaftliche Geschichte der Zweiten Republik.
Ziel des Projekts ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der verstaatlichten Industrie in Österreich. Im Mittelpunkt steht die jeweilige zentrale Steuerungsebene der Staatsbetriebe, die sich im Zeitverlauf wandelte: von Ministerien über das Bundeskanzleramt bis hin zu verschiedenen Holdinggesellschaften. Untersucht werden die Organisationsstruktur der einzelnen Steuerungsebenen, die Rolle wirtschaftspolitischer Zielsetzungen hinter Lenkungs- und Reorganisationsmaßnahmen sowie die Einflussnahme auf personal-politische Entscheidungen und das Proporzsystem.
Als Quellengrundlage dienen die umfassenden Bestände des Österreichischen Staatsarchivs, von denen große Teile erstmals systematisch ausgewertet werden. Ergänzend fließen Materialien aus politischen Archiven ein (Neues Parteiarchiv der SPÖ des VGA, Kreisky-Archiv, Archiv der Österreichischen Volkspartei im KvVI). Zudem wird eine Personendatenbank aufgebaut, die – basierend auf dem Personen-Compass – für den Zeitraum von 1950 bis 2000 alle zentralen Akteur:innen des österreichischen Wirtschaftslebens erfasst. Sie ermöglicht die Quantifizierung der Personalentwicklung in der gesamten österreichischen Wirtschaft, die Nachverfolgung einzelner Karrierewege und die Analyse der Entwicklung von Personalverflechtungen zwischen staatlichen und privaten Unternehmen.
Die Grafik stellt die Zahl der Beschäftigten in der verstaatlichten Industrie zwischen 1946 und 1991 dar. Der Höchststand lag zu Beginn der 1960er Jahre bei über 130.000 Beschäftigten. Erst mit den Privatisierungen ab den 1980er-Jahren nahm die Zahl der Beschäftigten deutlich ab.
Die Grafik zeigt den Gesamtexport sowie den Exportanteil der verstaatlichten Industrie an den österreichischen Gesamtexporten von 1950 bis 1995. Es wird ersichtlich, dass der Anteil nach einer schwankenden Aufbauphase mit Höchstwert 1957 (30,4 %) ab Ende der 1980er-Jahre parallel zum absoluten Export einbricht.
Die Grafik zeigt den realen Bruttoumsatz der verstaatlichten Industrie nach Branchen von 1960 bis 1985, gestapelt nach Sparte. Sie zeigt, wie der Gesamtumsatz von rund 23 auf 65 Milliarden Schilling (Basis 1960) wächst, wobei der Bereich Erdöl und -Gas seinen Anteil massiv ausbaut.